Das Neuroblastom ist für 11% aller durch Krebserkrankungen bedingten Todesfälle bei Kindern verantwortlich.
Obwohl in den letzten Jahren große internationalen Anstrengungen unternommen wurden neue, verbesserte
Therapien, z.B. Immuntherapien, zu implementieren, ist das Langzeitüberleben von PatientInnen mit
metastasierender Hochrisikoerkrankung immer noch, mit einer Überlebensrate von weniger als 40% nach initialer
Therapie und weniger als 10% nach einem Rezidiv, sehr schlecht. Liquid Biopsies spiegeln zu jedem Zeitpunkt
während der Therapie und danach den genauen Krankheitsverlauf wider und haben daher das Potential
Diagnostik und Behandlung von Kindern mit Hochrisiko-Neuroblastom zu revolutionieren. Da die Gewinnung von
Blut- und Knochnmarksproben weniger invasiv als klassische Tumorbiopsien ist, sind diese eine hervorragende
Quelle für Biomarker zur Verlaufskontrolle und als Grundlage für Therapieentscheidungen. Das LIQUIDHOPE-
Konsortium bringt international anerkannte ExpertInnen auf den Gebieten der biologischen und computer-
gestützten Forschung beim Neuroblastom mit führenden pädiatrischen OnkologInnen zusammen um einen
Paradigmenwechsel in der onkologischen Diagnostik voranzutreiben.
Das CCRI und andere Experten auf dem Gebiet haben beobachtet, dass bei mehr als 95% aller PatientInnen mit
Hochrisiko-Neuroblastom, Tumorzellen ins Knochenmark metastasieren/disseminieren, wo einzelne Tumorzellen
die initiale Chemotherapie überdauern können und oftmals zu einem Rezidiv führen. Wir konnten zeigen, dass
PatientInnen, bei denen die initiale Chemotherapie nicht in der Lage war alle Tumorzellen aus dem Knochenmark
zu eliminieren, deutlich schlechtere Überlebenschancen hatten. Genetische Analysen der zellfreien DNA aus
Blut- und Knochenmarksplasma lieferten überdies wichtige zusätzliche Informationen.
Wir gehen davon aus, dass die Implementierung der, von uns etablierten Methoden, zur Detektion und
Biomarkercharakterisierung disseminierter Tumorzellen im Knochenmark und die Kombination mit Analysen der
zellfreien DNA aus Blut und Knochenmark, die Abschätzung der Rezidivwahrscheinlichkeit erleichtern bzw.
Verlaufskontrollen und eine präzisere Therapiewahl ermöglichen wird.
Im Rahmen des LIQUIDHOPE Netzwerks, strebt das CCRI einen raschen Transfer von `Liquid Biopsy Verfahren
in den klinischen Alltag an. Dies soll helfen die derzeitigen Probleme bei der Abschätzung des Therapieerfolgs,
bei der Detektion von minimaler Resterkrankung und der Identifizierung von (immun)therapeutischen
Angriffspunkten zu lösen. Wir planen, Tumormarker und immuntherapeutische Zielmoleküle auf disseminierten
Tumorzellen in Knochenmarksproben, mithilfe eines automatisierten Mikroskopiesystems zu quantifizieren und
mittels Digital Droplet-PCR DNA-Marker in Blut und Knochenmark zu analysieren. Diese Verfahren werden
durch bioinformatische Analysen unterstützt, die auf neuesten Deep-learning-Algorithmen basieren sowie
Software zur Visualisierung von komplexen multi-dimensionalen Daten. In einem Ringversuch sollen Spezifität
und Sensitivität der von uns etablierten Biomarkertests gemeinsam mit denen der LIQUIDHOPE-Partner
verglichen werden, um dann prospektiv im Rahmen der neuen Europa-weiten Hochrisiko-Neuroblastom Studie,
SIOPEN-HR-NBL2, erhoben zu werden.
Diese innovativen Liquid Biopsy Verfahren werden helfen, jene Kombinationen aus Blut- und
Knochenmarksmarkern zu identifizieren und validieren, die eine Abschätzung des Therapieerfolgs, eine
Verlaufskontrolle minimaler Resterkrankung und die Früherkennung von Rezidiven ermöglichen, und dadurch
personalisierte Diagnostik und Behandlung von Kindern mit Neuroblastom wesentlich vorantreiben.